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8. Mai: Tag der Befreiung

Jan Augustyniak  |  Dienstag, 09. Mai 2017

8, Mai 2017 - Tag der BefreiungRede von Jan Augustyniak, Mitglied des Kreisvorstandes DIE LINKE. Frankfurt (Oder), anlässlich der Gedenkveranstaltung zum Tag der Befreiung am 08. Mai 2017

Am 8. Mai erinnern wir nicht nur an das Ende des 2. Weltkrieges und damit der NS-Herrschaft. Wir gedenken ebenso jenen Millionen Menschen, die Opfer faschistischer Gewalt und des Krieges wurden. Was Europa und die Welt heute gedenkt, ist das Ende eines grausamen Krieges, einer totalitären Ideologie und einer ausbeuterischen Gewaltherrschaft. Wir verneigen uns voller Dankbarkeit und Demut vor allen Soldaten, Partisanen und Widerstandskämpfer*innen, die dafür gekämpft haben, die Welt vom Deutschen Faschismus zu befreien und damit die Grundlage für eine friedliche Entwicklung in Europa zu schaffen.

Angesichts des unermesslichen Leides, das Deutschland damals über die Menschheit gebracht hat, bleibt der Kampf gegen Faschismus, Antisemitismus, Rassismus eine wohl immer währende Aufgabe aller Demokratinnen und Demokraten. Wir haben Hitlers Überfall auf die Völker Europas, auf die Sowjetunion nicht vergessen und erinnern hier, wo hunderte sowjetische Soldatengräber darauf hinweisen, daran, wie viele Menschen ihr Leben gaben, weil Deutsche nicht in der Lage waren, Faschismus und Krieg zu verhindern oder zu beenden. Wir alle stehen in ihrer Schuld.

Die Erinnerung an diesen Krieg mahnt uns zu Frieden und menschlichem Miteinander. Doch heute sind wir von einem friedlichen Deutschland weit entfernt: Derzeit sind etwa 3500 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr an 16 Auslandseinsätzen beteiligt. Die Bundesrepublik ist mittlerweile drittgrößter Waffenexporteur der Welt. Dass Deutschland heute immer noch an Krieg und Leid Geld verdient, ist eine Schande. Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe der Krieg führenden Länder stellt einen Bruch mit dem Nachkriegskonsens „Es soll nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen“ als wichtigste Lehre aus der jüngeren deutschen Geschichte dar. 'Nicht der Krieg ist revolutionär, der Friede ist revolutionär', sagte einst der französische Historiker und Sozialist Jean Jaurès. Gerade deshalb und mehr denn je stehen für uns als LINKE stets eine konsequente Friedenspolitik, die Bekämpfung von Fluchtursachen und eine gerecht organisierte Weltwirtschaftsordnung im Vordergrund.

Krieg kann für uns nie ein Mittel der Politik, ein profitables Geschäft oder gar Instrument der Vertretung wirtschaftlicher Interessen sein. Doch auch die unheilvolle Wiederkehr von menschenfeindlichem, NS-verherrlichendem und inhumanem Gedankengut - auch in der Bundeswehr - in dieser Gesellschaft muss uns an diesem Tag gewahr sein. Es ist heute wichtiger denn je an den Tag der Befreiung zu erinnern. Wir wissen, dass die Früchte des 8. Mai stets gefährdet sind. Rassismus, Chauvinismus, Antisemitismus und Antiziganismus, Islamfeindlichkeit – alle möglichen Ideologien zur Begründung sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Ausgrenzung haben Konjunktur.

Wir wissen, die soziale Spaltung der Gesellschaft hat ein Ausmaß erreicht, in dem die Angst vor dem Abstieg Anpassungsdruck und Ausgrenzungsbereitschaft erhöht. Wir erleben, dass Grundrechte immer weiter eingeschränkt werden. Wir sehen mit Sorge, wie unbarmherzig unsere Gesellschaft Flüchtlingen gegenübertritt und gewaltsame Übergriffe duldet. Der rasante Aufstieg neofaschistischer und rechtspopulistischer Kräfte in nahezu allen europäischen Ländern verlangt entschiedene Gegenwehr. An der Präsidentenwahl in Frankreich gestern, zeigt sich einmal mehr: Die Wurzeln des Nazismus sind nicht vernichtet. Rechtspopulistische Forderungen und rechte Parteien sind salonfähig. Umso mehr muss für jede Demokratin, für jeden Demokraten angesichts dieser bedrohlichen Entwicklungen die Notwendigkeit des Engagements gegen rechte Propaganda und Gewalt, Pflicht sein.

Wir müssen gemeinsam die Werte der Aufklärung unterstreichen: Vernunft, Solidarität, Frieden und Demokratie. Das ist, was die Erinnerung an den 8. Mai von uns fordert. Das ist, was wir den Millionen Menschen, die Opfer faschistischer Gewalt und des Krieges wurden, schuldig sind.

Jan Augustyniak, Frankfurt (Oder), 08.05.2017

(es gilt das gesprochene Wort)

Weiterführende Links: Website des VVN-BdA Frankfurt (Oder)
Kategorien: Politik