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René Wilke im Interview: "Voller Tatendrang und hochmotiviert"

Thomas Feske  |  Freitag, 15. November 2013

wilke rene13René, Du wurdest am vergangenen Wochenende einstimmig als Direktkandidat der Frankfurter LINKEN für die Landtagswahl nominiert. Zugleich trittst Du als Spitzenkandidat bei den Kommunalwahlen an. Die Basis hat dir damit sehr eindrucksvoll ihr Vertrauen ausgesprochen. Was bedeutet das für dich?
Ich bin dankbar für dieses große Vertrauen. In der Politik ist man meist eher mit Kritik konfrontiert. Wenn man etwas gutes bewirkt, kommt selten ein „Danke", im besten Falle eher ein „das wurde ja auch Zeit". So ein Ergebnis tut dann natürlich auch mal gut. Es motiviert und bestärkt mich. Aber viel wichtiger finde ich das Signal, dass wir damit aussenden. Wir Frankfurter Linken sind geschlossen. Nicht im Sinne von immer alle einer Meinung. Aber politisch und auch menschlich doch so nah beieinander, dass wir zusammen stehen, zusammen halten und zusammen kämpfen. Deswegen schätze ich mich auch sehr glücklich, dass genau diese Linke, hier in Frankfurt (Oder), meine politische Heimat ist.

Frankfurt muss dem Land gegenüber oft für die eigenen Interessen kämpfen. Wie willst Du mit diesem Konflikt umgehen - auf welcher Seite stehst Du als potenzieller Mandatsträger?
Ich glaube nicht, dass das ein Widerspruch sein muss. Meiner Überzeugung nach ist gute Politik für Brandenburg auch gut für Frankfurt. Und anders herum ist eine starke Stadt, die sich gut entwickelt und auf das Umland ausstrahlt, auch gut für Brandenburg. Sollten mich die FrankfurterInnen in den Landtag wählen, ist aber auch klar von wem ich meinen Wählerauftrag erhalten habe. Meine Wurzeln - privat wie politisch - sind in Frankfurt. So wird es auch bleiben. Und außerdem trete ich ja nicht umsonst auch für die Stadtverordnetenversammlung an. Hieraus schöpfe ich mein Wissen über die Probleme und Aufgaben, die es zu lösen gilt.
Kommunalpolitisches Engagement also auch als Garantie dafür, dass Du uns hier vor Ort erhalten bleibst?
Ganz genau! Ich weiß, dass es ab und zu die Sorge gibt ob ich der Stadt damit verloren gehe. Die ist aber unbegründet. Ich trete erneut für den Kreisvorsitz an. Frankfurt ist und bleibt meine Heimat und Wirkungsstätte. Verändern würden sich nur die Einflussmöglichkeiten für unsere Stadt und das wäre gut. Genau deshalb trete ich an!

Schließen wir mal daran an - die starke Stimme für und aus Frankfurt. Welche städtischen Themen sprichst Du in Potsdam an und welche gilt es aus Deiner Sicht in der Stadt zu lösen?
Wir arbeiten im Kreisvorstand zur Zeit an dem Leitantrag für die nächste Wahlperiode des Vorstandes. Da spielen genau diese Fragen eine zentrale Rolle. Wie sehen wir den Stand der Entwicklung unserer Stadt? Wie soll es weiter gehen? Welche Themen und Probleme stellen wir in den Mittelpunkt? Ich finde schon, dass sich das Bild der Stadt zum Teil durchaus positiv entwickelt. Aber die größten Probleme sind nach wie vor ungelöst: Frankfurts zukünftige Rolle als Oberzentrum in der Region, die große Armut und Arbeitslosigkeit, Abwanderung und mangelnde Perspektiven für junge Menschen in der Stadt. Aber auch neue Fragen wie die nach einer verstärkten Entwicklung der Innenstadt ohne dabei die Funktions- und Lebensfähigkeit der Stadtteile - wie gerade in der Diskussion zum Südring-Center erlebt - zu riskieren. Oder auch die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Slubice, die weitere Gestaltung des Stadtumbauprozesses. Derzeit besteht aus meiner Sicht durchaus die Gefahr, dass sich die Stadtteile immer weiter auseinander entwickeln. Wohnraum in der Innenstadt und im Stadtteil West wird perspektivisch sehr knapp - mit entsprechenden Folgen für die Mietpreisentwicklung. Gleichzeitig passiert in Süd, Nord und Neuberesinchen eher das Gegenteil. Und dann wird auch noch die Nahversorgung in Frage gestellt wird. Da müssen wir gegen steuern. Ich könnte die Liste fortsetzen. Themen und Aufgaben gibt es wirklich mehr als genug.

Du sprichst das Südring-Center an. Über Jahre hinweg war es geübte Landespolitik, die Brandenburger Städte von außen nach innen zu schrumpfen, die Frankfurter LINKE macht sich jedoch für das Südring-Center und damit für die Stärkung eines Stadtteils außerhalb des Zentrums stark.
Das schrumpfen von außen nach innen ist prinzipiell richtig. Man darf die individuelle Entwicklung von Stadtteilen aber nicht unberücksichtigt lassen. Im Stadtteil Süd leben viele ältere Menschen. Sie brauchen die Einkaufsmöglichkeiten, kurze Wege zur Post, Apotheke, zu den Ärzten usw. Ich finde es unfassbar von Mitgliedern der Jungen Union lesen zu müssen „dann sollen sie sich doch in die Bahn setzen und in die Innenstadt fahren". Da frage ich mich ob sie das zu ihren Großeltern auch sagen würden. Aber der eigentliche Punkt ist doch: Was wäre ohne funktionierende Stadt- und Ortsteile die Perspektive für die Gesamtstadt? Natürlich würden dann viele in die Innenstadt ziehen wollen. Dafür reicht der Wohnraum aber bei weitem nicht aus. Wollen wir privilegiertes und weniger privilegiertes wohnen? Ich nicht! Auch die Stadt- und Ortsteile müssen attraktiv und lebenswert bleiben! Mit unserem Antrag in der vergangenen Stadtverordnetenversammlung haben wir genau dafür gesorgt. Ja, zur Stärkung der Innenstadt aber gleichzeitig ist der Oberbürgermeister nun beauftragt dafür zu sorgen, dass im Stadtteil Süd die Nahversorgung durch das Südring-Center weiterhin zu gewährleisten ist. Ich finde das war ein großer Erfolg für die Menschen in unserer Stadt.

Im Gespräch bleiben, Diskussionsprozesse öffnen - gibt es einen Fahrplan, genau das bereits im Vorfeld der Wahlen zu machen? Was steht in den nächsten Monaten in diesem Zusammenhang an?
Der Fahrplan für die nächsten Monate steht bereits. Noch im November haben wir Daniela Trochowski (Staatssekretärin im Finanzministerium) zu Gast, um mit ihr über die Arbeit der rot-roten Landesregierung zu sprechen. Im Dezember folgen eine politische Bildungsveranstaltung und unsere Wahl-Gesamtmitgliederversammlung zur Neuwahl des Kreisvorstandes und Beschluss des Leitantrags. Im Januar findet dann unser Neujahrsempfang und der Landesparteitag zur Listenaufstellung für die Landtagswahl statt. Und im Februar steht der Kreisparteitag zur Aufstellung unserer Kommunalwahlliste und Beschluss unseres Kommunalwahlprogramms an. Bis dahin müssen noch Entwürfe für den Leitantrag und das Wahlprogramm geschrieben werden, viele Gespräche mit potentiellen StadtverordnetenkandidatInnen stehen noch an, wir werden Bürgerwerkstätten veranstalten und uns wie immer sehr aktiv mit Positionen in die politische Diskussion in der Stadt einbringen.

Das klingt nach harten Auseinandersetzungen und einem Berg an Aufgaben. Hast Du Unterstützerinnen und Unterstützer?
Ja, glücklicherweise. Wir haben einen sehr gut arbeitenden Kreisvorstand. Die Zusammenarbeit mit unserem Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Neumann funktioniert reibungslos und auch das Wahlteam hat sich bereits zusammen gefunden. Darüber hinaus baue ich sehr auf die Unterstützung aus den Basisgruppen. In den sozialen Netzwerken im Internet sind wir auch sehr aktiv. Auch dort gibt es mittlerweile eine große Gruppe von parteiunabhängigen UnterstützerInnen. Über diesen Weg haben wir übrigens auch einige neue KandidatInnen für die Stadtverordnetenversammlung gewonnen. Ich bin sehr optimistisch, voller Tatendrang und hoch motiviert. Deshalb freue ich mich auf die kommenden Aufgaben!

Das Interview führte Thomas Feske

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