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Elke Thiele

Starken Frauen in unserer Doppelstadt

Starken Frauen in unserer Doppelstadt begegnen uns bei einem Stadtspaziergang in Frankfurt (Oder) und Slubice.

Eine studentische Projektgruppe der Europa-Universität Viadrina legte dafür im Jahr 2015 den Grundstein. Sie brachten im Stadtgebiet Tafeln mit kurzen Lebensbeschreibungen von herausragenden Frauen an, zum Beispiel am Tor der Universität in der Logenstraße, auch ein Begleitheft ist für den Spaziergang erschien. Außerdem stellte die Gruppe ihre Forschungsergebnisse in Vorträgen vor, zum Beispiel in der deutsch-polnischen Seniorenakademie.

Das Projekt dokumentiert in einem Zeitraum von fünf Jahrhunderten das Leben von 14 Frauen, die hier emanzipatorisch auf politischem, wissenschaftlichen, kulturellen und sozialen Gebiet wirkten. Wissenschaftlerinnen waren beispielsweise lange Zeit Ausnahmeerscheinungen in der männlich dominierten wissenschaftlichen Welt. Sie mussten sich den Zugang zu entsprechender Bildung und zu ihrem Platz im Beruf hartnäckig erkämpfen. Erst ab 1908 durften im deutschen Reich Frauen an einer Universität studieren. Das galt auch für das Medizinstudium, doch nach dem Studium durften sie aber immer noch nicht als Ärztinnen praktizieren, erst ab dem Jahr 1914 erhielten sie das Recht auf die Approbation. Und erst im Jahr 2000 (!) wurde die erste Professorin für Frauenheilkunde berufen. (1) So gehörte Dr. Hedwig Hahn (geboren 1891) zu den ersten Frauen, die nach 1908 Medizin an der Universität (Halle/Saale) studierten.

Im Jahr 1919 promovierte sie und eröffnete im Jahr darauf zusammen mit ihrem Mann Rudolf Hahn eine Praxis in der ehemaligen Trowitzsch-Villa (heute Villa Hahn). Ehrenamtlich engagierte sie sich in der Mütterberatung und Säuglingspflege. Außerdem arbeitete sie als Lehrerin an der Berufs- und Frauenschule hier in Frankfurt. Als praktizierende Ärztin war sie in den 20er Jahren eine große Ausnahme unter ihren männlichen Kollegen. Nicht genug würdigen kann man ihr Engagement in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, denn sie behandelte selbstlos Schwerverletzte und Seuchenkranke. Bis 1961 praktizierte sie erfolgreich. Heute ist eine Straße im Frankfurter Westen nach ihr benannt.
Es ist doch bedenkenswert, dass nur noch drei weitere Frankfurterinnen auf eine solche Weise öffentlich geehrt werden: Frau Dr. Ursula Sellschopp, Hedwig Trowitzsch (Mutter von Dr. Hedwig Hahn) und Sophie Lienau.

Werfen wir einen Blick über die Oder. Während Frankfurt zwei Ehrenbürgerinnen hat, sind es in im kleineren Slubice drei. Krystyna Moczydlowska ist eine von ihnen. Ihr Credo lautete: „Jeder Mensch ist so viel wert, wie viel er imstande ist, von sich selbst anderen Menschen zu geben.“ Entsprechend setzte sie sich zeitlebens für die Gleichstellung behinderter Menschen ein. Geboren 1941, selbst körperlich behindert, erlernte sie den Beruf der Buchhalterin und arbeitete an der Slubicer Gesamtschule. Als Mitbegründerin und langjährige Vorsitzende des polnischen Behindertenverbandes (TWK - Polski Towarzystwo Walki z Kalectwem) organisierte sie gemeinsame Freizeitangebote, Feste, Fahrten u. a. für Behinderte und Nichtbehinderte. Ihr Wirken schloss auch die musische und künstlerische Förderung behinderter Kinder und Erwachsener, die Rechtsberatung ehemaliger Inhaftierter oder auch die Vernetzung von NGO's in der Region ein. Ein sichtbares Zeichen ihres Wirkens sind u. a. barrierefreie Fußwege und Zugänge zu öffentlichen Gebäuden in Slubice. Frau Moczydlowski erhielt zahlreiche staatliche Auszeichnungen und wurde 2014, ein Jahr nach ihrem Tod, Ehrenbürgerin der Stadt.

Beide Frauen stehen symbolisch für die vielen anderen, die sich in den vergangenen Jahrhunderten emanzipierten und sich im Rahmen der Möglichkeiten ihrer Zeit beispielhaft gesellschaftlich engagierten. Die erkämpften Frauenrechte sind für uns heute selbstverständlich, für weitere muss noch immer gestritten werden.

Ein Stadtspaziergang unter dem Gesichtspunkt, interessante Frauen aus der Geschichte unserer Stadt kennenzulernen, lohnt sich auf jeden Fall.

Anregungen und ein passender Stadtplan finden sich unter www.frauenorte-ffo.de


Quellen: Begleitheft Stadtspaziergang/Frauenorte/miejsca kobiet

info@frauenorte-ffo.de

(1)Hier muss man ergänzend einfügen, dass 1998 der Deutsche Ärztinnenbund forderte, dass endlich eine Ärztin eine C4-Professur für Frauenheilkunde erhält. In der DDR wurde 1959 Frau Dr. Meta Sander zur ersten Professorin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe berufen.


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