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User: Wolkenkratzer / CC-BY-SA 4.0

Frank Kreitner

Unruhige Zeiten für Eisenhüttenstadt

ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH, wie das ehemalige Eisenhüttenkombinat Ost (EKO) heute heißt, hat seit der Wende einige stürmische Zeiten erlebt. Erst der ungewisse Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft und dann der lang andauernde Kampf um den Erhalt des Standortes.

Erst sollte das Werk von der Treuhand an den italienischen RIVA Konzern veräußert werden, was aus heutiger Sicht zum Glück scheiterte. Da kaufte die belgische Cockerill-Sambre Gruppe das Werk und schloss mit dem Bau des Warmwalzwerkes die technologische Lücke zwischen dem Stahlwerk und dem Kaltwalzwerk.
Aus Cockerill-Sambre wurde 1998 Usinor. 2001 fusionierte Usinor dann mit anderen europäischen Stahlkonzernen zu Arcelor. 2006 schließlich ging Arcelor mit dem britisch-indischen Stahlkonzern Mittal zusammen. Seitdem heißt das einstige EKO nun ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH (im Artikel werde ich aber nur vom EKO reden) und befand sich in halbwegs ruhige Fahrwasser.

Seit ein paar Wochen sind die Mitarbeiter:innen vom EKO und auch die Einwohner:innen in und um Eisenhüttenstadt abermals beunruhigt. Die Geschäftsführung hat verlauten lassen, dass der Hochofen in ein paar Jahren stillgelegt und durch eine neue Technologie ersetzt werden soll.

Was steckt dahinter?

ArcelorMittal hat sich zum Ziel gesetzt, den Stahl bis 2050 klimaneutral zu produzieren. Bis 2030 will man die CO2-Emissionen um 30 % reduziert haben. Dieser Zielsetzung des Mutterkonzerns muss sich auch EKO stellen. Zudem gelangt der Hochofen 5A so langsam an seine Grenze, wo sich eine Sanierung nicht mehr rechnet. Auch ist fraglich, ob eine klimaneutrale Umrüstung des Hochofens überhaupt möglich ist.

Um dieses Ziel zu erreichen, will man eine innovative Anlage zur Direktreduktion von Eisenerz errichten. Das bedeutet, dass man Eisenerz mithilfe von Wasserstoff zu Eisenschlamm reduziert. Ebenfalls errichtet werden soll ein Elektrolichtbogenofen, der dann den Hochofen ersetzen soll. In diesem Elektrolichtbogenofen soll dann der Eisenschlamm zu Roheisen geschmolzen werden. Was auf dem Papier sich erst mal positiv anhört, hat aber einige unsichere Faktoren, die ich kurz mal erläutern will und weswegen man in Eisenhüttenstadt zurecht beunruhigt ist.

Für das Projekt sind Investitionen in Milliardenhöhe notwendig, die ArcelorMittal aber nicht alleine bezahlen will. Man fordert eine Förderung seitens der Bundesregierung und der EU. Somit ist eine Finanzierung völlig unklar. Der notwendige Wasserstoff soll aus der noch zu bauenden Wasserstoffinfrastruktur bezogen werden. Der dazu notwendige Wasserstoffcluster Ostbrandenburg muss auch erst noch entstehen.

Bis die Wasserstoffinfrastruktur steht, ist man vom Stahlwerk Bremen abhängig, woher dann der Eisenschlamm bezogen werden soll.
Moderne Technik bedeutet auch immer, dass man weniger Menschen braucht, die dann die Technik bedient. Wie viel weniger Mitarbeiter:innen bedeutet der Umstieg auf die klimaneutrale Produktion und wie will man auf die neue Technologie umschulen? Man spricht von einer Stilllegung des Hochofens um das Jahr 2026 herum. Was ist, wenn bis dahin die genannten Faktoren 1 bis 2 nicht zur Verfügung stehen? Wie lange rechnet sich eine Versorgung des Stahlstandortes Bremen?

Man spricht von höheren Produktionskosten gegenüber der jetzigen Hochofentechnologie. Die europäische Stahlindustrie steht seit Jahren unter Druck, da zum Beispiel China Europa mit billigem Stahl zu schwemmt. Bereits jetzt gibt es eine weltweite Stahlüberproduktion von 660 Millionen Tonnen (Stand 2018) . Zum Vergleich: 2018 wurden in Deutschland 35,7 Mio. Tonnen  Stahl produziert und ist damit der größte Stahlproduzent in der EU.
Was passiert, wenn die EU und die Bundesregierung eine Förderung verweigert? Zwar gibt es bereits ein Förderprogramm der Bundesregierung zur klimaneutralen Umstellung der Stahlproduktion, aber ob man daraus Geld bekommt, steht in den Sternen.

Bis auf das vorgestellte Konzept gibt es derzeit nichts Aussagekräftiges. Man hat zwar ein schönes Video gedreht und auch einige Pressemitteilungen zur Beruhigung der Mitarbeiter:innen veröffentlicht, aber mehr auch nicht. Um die Mitarbeiter*innen die Sorgen, um ihre Arbeitsplätze zu nehmen, bedarf klare Fakten, auf die man bauen kann. Dies gibt aber das bisherige Konzept nicht her.

Fakt ist somit, auf den Stahlstandort Eisenhüttenstadt und auch auf die Region kommen unruhige Zeiten entgegen.


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